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Letzte Aktualisierung: 24. März 2010

Nicht einmal, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht

Link zur Broschüre

Wie das Totalverbot von Schwangerschaftsabbrüchen in Nicaragua Ärzte kriminalisiert und Frauen und Mädchen in Gefahr bringt

Eine Broschüre von amnesty international, Oktober 2009

 

 

amnesty prangert Totales Abtreibungsverbot an

In einem am 27. Juli 2009 veröffentlichten Bericht prangert amnesty international die Zustände in Nicaragua seit Bestehen des totalen Abtreibungsverbots an.

Laut amnesty sind in diesem Jahr bereits 33 Frauen und Mädchen während der Schwangerschaft gestorben (im Vergleich dazu starben im selben Zeitraum 2008 20 Frauen und Mädchen). Jedoch geht amnesty davon aus, das die Zahl höher ist, da auch die nicaraguanische Regierung einräumt, das die Zahl der verstorbenen Schwangeren unvollständig ist.

Nach dem neuen Gesetz müssen ÄrztInnen und Krankenschwestern mit Bestrafung rechnen, wenn sie Schwangere gegen Krankheiten wie Krebs, Malaria, HIV/AIDS etc. behandeln und die Behandlung bei einer Schwangerschaft kontraindiziert ist und negative Folgen für den Fötus haben kann.

Auch werden laut amnesty Frauen und Mädchen mit Strafe bedroht, die eine Fehlgeburt haben, da in vielen Fällen ein spontaner nicht von einem herbeigeführten Abort unterschieden werden kann.

Auch Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung entstanden sind, müssen ausgetragen werden. Laut amnesty hat sich die Zahl der schwangeren Teenager, die Selbstmord begangen haben 2008 erhöht.

Links zu Amnesty:

http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/report/shocking-abortion-ban-denies-life-saving-treatment-girls-women-nicaragua-20090727

http://www.amnesty.de/nicaragua-kriminalisierung-von-abtreibungen-gefaehrdet-frauen

Der Bericht (pdf, englisch)

Amnesty International hat eine Urgent Action für die Aufhebung des Totalen Abtreibungsverbots gestartet:

http://www.amnesty.org/en/appeals-for-action/nicaragua-must-lift-total-ban-abortion

(englisch, Anmeldung erforderlich)

MS, 2.8.2009

 

Link zum Thema

Abtreibung in Lateinamerika, Vorreiter Uruguay, taz 5.12.2008

 

12 jährige gerettet

Die 12-Jährige "Marianita" verlor nach Angaben der Gynäkologen des Frauenkrankenhauses “Bertha Calderón” bei einem Kaiserschnitt ein Mädchen, das kaum 600 g wog.

Die dem Frauennetzwerk gegen Gewalt angeschlossenen Frauenorganisationen und die Sonderbeauftragte für Kinderfragen Norma Moreno, haben unabhängig von einander erklärt, dass der Eingriff zum Schutze des Lebens von “Marianita” die beste Entscheidung war.

In ihrem Geburtsort Siuna, wurde “Marianita” wiederholt Opfer von Vergewaltigungen durch ihren Vater, der Selbstmord beging, nachdem er erfuhr, dass seine Tochter schwanger war. Die Minderjährige wurde dann von ihrer Mutter ihrem Schicksal selbst überlassen.

Die Krankenhausärzte bedankten sich bei den Nichtregierungsorganisationen und der Sonderbeauftragten für Kinderfragen, dass sie sich dafür eingesetzt haben, das Leben “Marianitas” über alles zu setzen.

“Wenn die Schwangerschaft weitergegangen wäre, wäre sie, so wie die Dinge standen, sicher gestorben. Wenn sie diesen Fall nicht publik gemacht hätten, hätte das Mädchen ein fatales Ende gehabt“, erklärte der Informant.

Jetzt erholt sich das Mädchen.

Quelle: Nuevo Diario vom 27. Juni 2008

Ein 12jähriges Mädchen ist schwanger und krank und von der Mutter im Stich gelassen.

Ein erschütterndes Beispiel der Konsequenz des totalen Abtreibungsverbots in Nicaragua:

Vom Vater missbraucht, und als seine Täterschaft bekannt wurde, hat er sich umgebracht.

"Marianita" ist 12, hat eine Lungenentündung und der Bluthochdruck erstickt sie Fast. Seit einer Woche ist sie auf der Intensivstation und ist in der 24. Woche schwanger.

Die Ärzte in der Frauenklinik "Bertha Calderón", in dem sie liegt, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass nur eine Schwangerschaftsunterbrechung ihr Leben retten kann. Aber etwas hält sie auf: ihn durchzuführen bedeutet 5 bis 10 Jahre Gefängnis und der Entzug ihrer ärztlichen Zulassung, wie es im Strafgesetzbuch heißt.

Die Ärzte teilten mit, dass das Mädchen aus Siuna ist, und dass sie von ihrem Vater wiederholt vergewaltigt wurde. Die Mutter, die dem Mädchen die Schuld gibt, weigert sich,  sich um sie zu kümmern.

Die unglaubliche Rohheit dieses Falles  hat eine arme Familie vollkommen zerstört: der Vater des Kindes hat sich das Leben genommen, nachdem vor einigen Wochen die Tragödie bekannt wurde, die das Leben des Mädchens vollkommen verändert.

Der Missbraucher hat Wochen nach der Tat und nachdem sie sich in ganz Siuna wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, seinem Leben ein Ende gesetzt, heißt es in der offiziellen Information.

Die Gynäkologen, die die Kleine behandeln und die den Nuevo Diario informierten, versuchten das Familienministerium davon zu überzeugen, das Mädchen nicht nach Siuna zurückzuschicken; denn die Mutter weigert sich nach dem Selbstmord des Täters, nach Managua zu kommen, um sich hier um das Mädchen zu kümmern. Und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Eine Entscheidung wird dringend

Eine Gruppe von Ärzten uns Mitarbeitern des Krankenhauses zeigten sich besorgt, da die Krankenhausleitung und die verantwortlichen vom Gesundheitsministerium bisher noch keine Einschätzung über die Schwere des gesundheitlichen Zustandes des Mädchens getroffen haben.

“Das ist eine höchst riskante Schwangerschaft, da sie schon weit über die 13. Schwangerschaftswoche hinaus ist”, sagte ein Arzt, der namentlich nicht geannt werden möchte.

“Was in diesem Fall gemacht werden muss ist ein Schwangerschaftsabbruch, um das Leben der Patientin zu retten, aber sie  verharren in Untätigkeit und jeder Tag, der verstreicht,  erhöht das Risiko“, ergänzt er.

Die Ärzte sind in ihrer Prognose sehr reserviert, obwohl sie inzwischen die Intensivstation verlassen hat.

“Wie Sie wissen, arbeiten wir Gynäkologen seit dem Verbot des medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruchs unter einem extremen Druck  ist, und in Fällen wie diesem handeln wir nur nach direkten Anweisungen.“, fügt er hinzu.

Die Klinikleiterin bestätigt den Aufenthalt dieses Kindes aber weigerte sich, Einzelheiten über ihren Zustand bekannt zu geben.

“Familien”entscheidungen

Auf die Frage, welche Entscheidung das Krankenhaus treffen würde, bekamen wir nur die knappe Antwort: “wir behandeln sie und vervollständigen alle Untersuchungen. Auf jeden Fall werden die Entscheidungen  von der Familie getroffen werden, sagte  die Direktorin und beendete das Telefonat.

"Es sieht so aus, als wenn die Familie das Kindi m Stich gelassen hat; denn jetzt geben sie ihr die Schuld am Tod des Vaters“, sagt der Informant.

Die Ärzte haben diese tragische Geschichte dem Nuevo Diario mitgeteilt, um die Öffentlichkeit um Hilfe für das Mädchen zu bitten und um ihr Leben zu erhalten.

“Das Kind ist praktisch ihrem Schicksal überlassen Worden, und wir gehen davon aus, dass das Familienministerium sich kümmenr wird, aber Fisher ist noch nicht viel passiert“, ergänzt einer der Informanten.

Melvin Martínez END - 21:09 - 23/06/2008


 

Kampagne „Yo decido mi vida - Ich entscheide mein Leben“

Therapeutischer Schwangerschaftsabbruch bleibt strafbar –
die Unterstützung geht weiter

Im August 2007 hat der Nicaragua Verein in Zusammenarbeit mit dem „Movimiento Autónomo de Mujeres“ (MAM) die Kampagne zur Wiedereinführung des therapeutischen Schwangerschaftsabbruches (aborto terapéutico) in Nicaragua gestartet.

Bis November sind Hunderte von Protestmails und unterschriebene Protestpostkarten im Nicaragua Verein eingegangen und hoffentlich ähnlich viele direkt in der nicaraguanischen Botschaft. Der Aufruf „Ni una muerta más! – Keine einzige Tote mehr!“ hat derzeit bereits an die 60 prominente UnterstützerInnen. Das ist natürlich ein Erfolg.

Doch das Kampagnenziel, durch den internationalen Protest das nicaraguanische Parlament bei einer erneuten Besprechung des Themas zu einer Rücknahme der Gesetzesänderung vom Oktober 2006 zu bewegen , ist vorläufig gescheitert:

Am 13. September 2007 bestätigte das Parlament das Verbot des therapeutischen Schwangerschaftsabbruches. Laut der Zeitung El Nuevo Diario hatte sich die Regierungspartei FSLN, sowie die Oppositionspartei PLC am Tag zuvor „aus dringendem Anlass“ getrennt voneinander und unter Ausschluss der Kampagne „Yo decido mi vida - Ich entscheide mein Leben“ Therapeutischer Schwangerschaftsabbruch bleibt strafbar – die Unterstützung geht weiter Öffentlichkeit getroffen, um die Parteiposition zum therapeutischen Schwangerschaftsabbruch zu definieren und innere Uneinigkeiten zu vermeiden.

Dass jedoch zu der am nächsten Tag einberufenen Abstimmung zum therapeutischen Schwangerschaftsabbruch viele Abgeordnete gar nicht erst erschienen, könnte ein Zeichen dafür sein, dass auch viele Politiker beginnen,
an der Richtigkeit des Verbots zu zweifeln. Die anderen allerdings machten
ihre Position zu dem Thema mehr als deutlich. Nur drei der 66 anwesenden
Abgeordneten stimmten für die Wiedereinführung des therapeutischen Schwangerschaftsabbruches.
Damit bleibt der therapeutische Schwangerschaftsabbruch in Nicaragua strafbar, sowohl für die schwangere Frau, als auch für den durchführenden Arzt.
Jetzt kommt es darauf an, einen Weg zu finden die Frauen in Nicaragua nicht
nur im Rahmen einer Kampagne sondern auch längerfristig und kontinuierlich
zu unterstützen.

Das Verbot jeder Form von Abtreibung ist ein massiver Verstoß gegen die Menschen- und Frauenrechte. So hat sich bereits die international agierende Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gegen die Gesetzesänderung ausgesprochen und auch andere Menschenrechtskommissionen untersuchen die derzeitige Lage der Menschenrechte in Nicaragua durch diese Gesetzesänderung. Der Nicaragua Verein wird sich weiterhin für eine Wiedereinführung des aborto terapéutico einsetzen.

Transparent der Kampagne 25-28 septiembre 2007
Transparent der Kampagne 25-28 septiembre 2007

Yo decido mi vida – Ich entscheide über mein Leben

Auftaktveranstaltung der Romero Tage am 8. März 2007

Der aufmerksamen Leserin und dem aufmerksamen Leser der Nicaragua Zeitung ist es nicht entgangen: In vielen Artikeln berichteten wir bereits über das Verbot des „aborto terapeutico“ (Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation), das Ende 2006 in Nicaragua eingeführt wurde. Am 8. März 2007, dem internationalen Frauentag, gab es dann die ersten gesprochenen Worte zu dem Thema. Unter dem Titel „Yo decido mi vida – Ich entscheide über mein Leben“ rief der Nicaragua Verein zusammen mit anderen Organisationen zu einer Veranstaltung mit Violeta Delgado, Vertreterin der autonomen Frauenbewegung „Movimiento Autonómo de Mujeres“ (MAM) auf. Die Veranstaltung bildete den Auftakt der jährlich stattfindenden Hamburger Romero Tage sowie einer anschließenden Rundreise der Referentin. Sechs weitere Veranstaltungen in Hannover, Heidelberg, Mannheim, München, Münster und Wuppertal folgten.

Allabendlich erzählte Violeta dem Publikum von den neuesten Entwicklungen der Frauenrechte in Nicaragua: Kurz vor der Präsidentschaftswahl im Oktober 2006 wurde in Nicaragua das Recht zur Abtreibung aus medizinischer Indikation aus dem Paragraph 165 des Strafgesetzbuches gestrichen, wo es seit 1896 fest verankert gewesen ist. Der Paragraph ermöglichte Frauen einen straffreien Schwangerschaftsabbruch, wenn sie vergewaltigt worden waren oder ihr Leben aufgrund von schweren Schwangerschaftskomplikationen in Gefahr war. Nur unter dieser Voraussetzung war es den Frauen möglich, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Dass nun auch dies verboten und mit einer Strafe von vier bis acht Jahren Haft sowohl für die Ärzte als auch für die Frauen geahndet wird, hatte im Vorfeld für zahlreiche Proteste in Nicaragua gesorgt. Auch die Frauenbewegung MAM hatte zu diesen Protesten aufgerufen und eine landesweite Kampagne begonnen. Große Demonstrationen und Kundgebungen vor dem Parlamentsgebäude in Managua sowie in anderen Städten Nicaraguas konnten die Änderung des Gesetzes jedoch nicht verhindern. Damit reiht sich Nicaragua in eine – zum Glück – kurze Liste von Ländern ein, in denen Frauen dieses Recht abgesprochen wird. Darunter die Länder: Malta, Chile und El Salvador.

Die drastischen Folgen der Gesetzesänderung wurden noch im Laufe der kurzen Rundreise deutlich. Auf der Veranstaltung in Hamburg berichtete Violeta noch von mindestens zwei Frauen, die an den Folgen von Schwangerschaftskomplikationen gestorben waren, weil ihnen eine medizinische Behandlung untersagt wurde. Nicht mitgezählt alle undokumentierten Fälle. Alle Frauen, die sich nicht ins Krankenhaus gewagt hatten, aus Angst sie könnten aufgrund von Komplikationen den Fötus verlieren und sich damit strafbar machen und diejenigen, die an den Folgen einer heimlichen Abtreibung unter hygienisch prekären Bedingungen gestorben waren. Am Ende der Rundreise waren es bereits mindestens drei Frauen.

Wie es zu diesem Rückschritt von über hundert Jahren kommen konnte ist schwer verständlich. Violeta betrachtet das generelle Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nicht als isoliertes Phänomen, sondern setzt es in einen größeren Zusammenhang von sozioökonomischen und politischen Veränderungen sowie den Bestrebungen fundamentalistischer religiöser Gruppen innerhalb der letzten zehn Jahre nach mehr staatlichem Einfluss. So beschreibt Violeta, dass der nicaraguanische Staat sich in den letzten 17 Jahren aus seiner Verantwortung gegenüber der Bevölkerung immer mehr zurückgezogen und u.a. wichtige Bereiche der Gesundheitsversorgung und Bildung privatisiert hat. Hinzu kommt ein beschleunigter Verarmungsprozess der Bevölkerung, welcher einhergeht mit einem Bruch im sozialen Gefüge durch die Migration vieler NicaraguanerInnen auf der Suche nach Arbeit. Eltern lassen immer häufiger ihre Kinder zurück bei den Großeltern, immer mehr Omas übernehmen die Erziehung ihrer Enkelkinder. Das Leben der Frauen veränderte sich in den letzten Jahren entscheidend: Sie gelten heute als Billigarbeitskräfte für Fertigungsfabriken in den Freihandelszonen (Maquilas) und als Frischfleisch für den Sexmarkt. Diese Entwicklungen schlagen sich auch außerhalb der Arbeitswelt nieder: Jede zweite Frau erfährt im heutigen Nicaragua von ihrem Partner Gewalt, jede vierte Frau hat in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt, ebenso wie jeder fünfte Junge.

Ab 1999 haben die Übereinkünfte zwischen dem damaligen konservativen Präsidenten Arnoldo Alemán und dem Sandinisten Daniel Ortega eine große Rolle gespielt. Der Pakt zwischen den beiden Politikern führte zu einer Aufteilung der Macht innerhalb des Staates und einer Vermischung von parteipolitischen mit privaten Interessen. Die religiösen Gruppen haben vor allem auf dem wichtigen Gebiet der Erziehung und Bildung an Einfluss gewonnen. So war der langjährige Erziehungsminister Umberto Belli Mitglied der römisch-katholischen Organisation „Opus Dei“ und Sexualkundeunterricht seit 16 Jahren an den Schulen verboten.

Mit dem Verbot des Schwangerschaftsabbruchs aus medizinischer Indikation stellt die Regierung Nicaraguas das ungeborene Leben über den Schutz des Lebens der Mutter und verstößt damit gegen die Menschenrechte. Ebenso, indem sie den Frauen nach einer Vergewaltigung zum Schutze der mentalen oder physischen Gesundheit einen Schwangerschaftsabbruch verweigert und ihnen damit das Recht auf einen höchstmöglichen Standard an Gesundheit abspricht.

Da das Abtreibungsverbot Teil unterschiedlicher Entwicklungen Nicaraguas ist und einhergeht mit einer Reihe von anderen Rückschritten, kämpfen Frauen- und Menschenrechtsgruppen zusammen mit anderen Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen gegen Diskriminierung und für mehr Rechte. So verbinden sie sich z.B. mit Lesben-, Schwulen- und Transgendergruppen (die Ausübung von gleichgeschlechtlichem Sex ist seit 1992 unter dem Delikt der Sodomie verboten) sowie VertreterInnen indigener Gemeinden. Ihr gemeinsames Anliegen ist die Entwicklung einer neuen linken Bewegung. Denn was nach Violetas Ansicht endlich beendet werden muss ist das Verhandeln von Rechten und Freiheiten des Individuums für den Machtgewinn und –erhalt politischer Gruppen. Drei Tage bevor die FSLN in Aussicht stellte, dass sie für das Abtreibungsverbot stimmen würde und sich mit diesem Angebot an die kirchlichen Vertreter auch die Stimmen der religiösen Wählerschaft sichern wollte, gab Daniel Ortega auf einem öffentlichen Platz bekannt, dass bei einem Wahlsieg der FSLN 50% der Ministerposten in seinem Kabinett mit Frauen besetzen werden. Das Leben von Frauen gegen 50% im Kabinett. Die Bewegung hätte nicht viel gewonnen, wenn als nächstes die Rechte der Frauen mit anderen Rechten verhandelt werden würden wie etwa die Wiedereinführung des Paragraphen 165 gegen das Weiterbestehen des Verbotes von gleichgeschlechtlichem Sex.

Am 8. März in Managua gaben vor dem Parlamentsgebäude eine Gruppe von Politikerinnen und Vertreterinnen von NGOs bekannt, dass sie auf einen Ministerposten in einem Kabinett verzichten, das die Rechte der Frauen mit Füßen tritt und sie als Verhandlungsmasse einsetzt.

Schwerpunkt der Veranstaltung in Hamburg und der darauffolgenden Rundreise war neben der Information der Öffentlichkeit über die Veränderung der Frauenrechte in Nicaragua auch die Frage, wie wir von Deutschland aus die Proteste der nicaraguanischen Frauen unterstützen können. Bereits auf den Veranstaltungen wurden Unterschriftenlisten ausgegeben, auf denen die UnterzeichnerInnen die Erklärung der MAM gegen die Streichung des Artikel 165 aus dem Strafgesetzbuch unterstützen. Violeta betonte in den Diskussionen dann weiterhin, wie wichtig es sei, dass diejenigen, die Kontakte nach Nicaragua haben, dort nachhaken und nachfragen, wie sie zu der Gesetzesänderung stehen. Denn die Änderung des Paragraphen 165 war nicht zuletzt aufgrund einer Falschinformation der Öffentlichkeit zustande gekommen. So lautete der Slogan für die Gesetzesänderung „No al aborto“, also „Nein zu Abtreibung“, was suggeriert, es gäbe eine freie Wahl. Dass Abtreibungen allgemein verboten und nur aufgrund medizinischer Indikation erlaubt waren, wurde hier nicht erwähnt.

Ein Ergebnis des Besuches von Violeta ist die geplante Kampagne „Yo decido por mi vida“,Die Kampagne wird unterstützt von :

Bewegungsstiftung

 

Rebecca Lohse

(aus: Nicaragua Zeitung 06/07)