Nicaragua und León

Letzte Aktualisierung: 1. Oktober 2016

 

Rubén Darío's Eindrücke über Hamburg

Rubén Darío

Hamburg oder das Reich der Schwäne


Huysmans war ungerecht mit Hamburg, und seine schlechte Laune hat in bösen Seiten Ausdruck gefunden. Das liegt daran, daß Durtal nicht das Paradies der Schwäne besucht hat, und daß Monsieur Folantin für zwei Mark fünfzig schlecht gegessen hat. Hamburg ist fröhlich, es hat eine fast lateinische Fröhlichkeit, soweit dies in einem germanischen Zentrum möglich ist. Hamburg ist eine arbeitsame, geschäftige, unabhängige Stadt, mit ihrem strengen Senat, ihren Fabriken, ihren Kanälen, ihren großen Hotels, ihren reichbestückten Kaufhäusern, und es ist auch eine Stadt, die sich amüsiert, die sich verschönert, die mit dem Ausland kokettiert. Sie hat ein Sankt Pauli, das Montmartre so ähnelt wie das Bier dem Champagner, Cafés im Freien, am Ufer der Alster, die mit Jachten belebt ist und wo man mit kleinen Dampfern hinfährt und wo sonntags hübsche Mädchen beim Klang der Musik flirten. Hamburg hat ein großes Luxusviertel, das manche Judäa nennen, weil dort reiche Semiten in prächtigen Villen und cottages das Glück genießen, das man mit Geld kaufen kann. Huysmans spricht böse über die Leute aus Caracas, die er in diesem Handelszentrum getroffen hat. Ich selbst habe keinen Landsmann Bolívars kennengelernt, obwohl es nicht selten vorkommt, daß man Spanisch sprechen hört, denn hier wohnen viele Hispanoamerikaner und auch Hamburger, die sich hier mit ihren kreolischen Familien niedergelassen haben, nachdem sie in fernen heißen Ländern ein Vermögen gemacht haben. Vielfältige Architekturen erblickt man im Grün der Gärten und entlang der gepflegten Alleen.

Helkendorf, kühl und blumengeschmückt, hat köstliche Winkel zum Ausruhen, zum Lieben und zum Träumen, denn es ist durchaus möglich zu träumen in einer Stadt, deren Einwohner, wie praktisch sie auch sein mögen, einen poetischen Ort haben, gebildet von einem Stauwasser des Flusses, wo zahlreiche Schwäne von der Staatskasse unterhalten werden. Diese Dichter haben nichts anderes zu tun, als sich der Schönheit zu widmen, weiß zu sein – einige sind auch schwarz – und stolz dahinzugleiten, mit jener Würde, die sie von Jupiter geerbt haben. Diese Verpflichtungen erfüllen sie pünktlich, und außer der täglichen Speisung, die sie von ihren Wärtern erhalten, beschenkt sie das Publikum mit Brotkrumen. Das Stauwasser ist kristallklar, am Ufer blühen Blumen, die goldenen Nachmittage gießen ihren Zauber über dieses göttliche Schauspiel, das den Doktor Tribulat Bonhomet nachdenklich stimmen würde. Und die lyrischen Bewohner dieser Kristalle, die ihre olympischen Spiegelungen vervielfältigen, genießen die süßeste Seligkeit in der Hauptstadt der teutonischen Fälscher und Händler. Obwohl, ich muß es zugeben, mir wurde etwas unbehaglich, als ich mit einem Bekannten, einem semitischen Exporteur, zu Mittag speiste und er mir versicherte, daß der Schwan, ebenso wie die Gans, gut zubereitet, sehr wohlschmeckend sei.

Und da wir gerade von lyrischen Schwänen sprechen, ich sagte ja, daß Hamburg ein Montmartre hat, das Sankt Pauli heißt. Jedenfalls hatte man mir das erzählt. Ein Montmartre?... Für Matrosen. Mit dem einen oder anderen berühmten Café, wo man essen kann und dabei von einem Orchester umschmeichelt wird. Im übrigen sind die kleinen Theater schäbig, mit abgewrackten chanteuses, dicken Sängerinnen, die Romanzen brüllen, oder mageren Parzen, die auf Englisch oder Deutsch schrille Lieder vortragen. Es gibt kein einziges Kabarett, keinen einzigen Poeten mit oder ohne Mähne, der an Privas, an Rictus oder an Montoya erinnern würde. In einem großen Saal für ein volkstümliches Publikum spielt eine Militärkapelle. Auf dem Platz lockt ein Kasperletheater das populo; die elektrische Reklame verspricht Wunder, aber innen ist das Schauspiel öde und langweilig. Es bleiben nur noch die Restaurants mit ihren süßen Suppen, den Würsten, den diversen Braten. Und dem ausgezeichneten Bier. Einerseits hatte Monsieur Folantin recht. Aber, o Des Esseintes, die Schwäne?

Original: Rubén Darío, “Hamburgo o el reino de los cisnes”, La Nación (Buenos Aires), 28. Juni 1904; und Rubén Darío, Tierras solares, hrsg. von Noel Rivas Bravo, Managua: CIRA 2001, S. 144-145. Übersetzung: Günther Schmigalle. 

 

Rubén Darío: Eine Erinnerung zum 100. Todestag

Er ist bekannt als "der Prinz der spanischen Schrift" und "Vater des Modernismus": Rubén Darío, der Mann, dessen Ideen und literarisches Werk für viele NicaraguanerInnen ein wichtiger Teil ihres Lebens bedeutet.

Sie lieben seine Gedichte, verehren ihn und sind stolz auf ihren berühmten Landsmann. Viele NicaraguanerInnen zitieren seine Verse sogar in alltäglichen Gesprächen oder verwenden oft aus seinen Gedichten geflügelte Worte wie "León ist für mich wie Rom oder Paris", "wenn das Vaterland klein ist, träumt man es sich groß".

Rubén Darío wurde am 18. Januar 1867 in Metapa (heute: Ciudad Darío) geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in León. Schon früh galt er als dichterisches Wunderkind, außerdem besaß er die besondere Gabe, das Herz berührende, reimende Verse zu schreiben. Er verbrachte viele Jahre im Ausland, unter anderem in El Salvador, Chile und Spanien. Der Volksdichter starb am 6. Februar 1916 in León. Seine Überreste ruhen in der mächtigen Städtischen Kathedrale unter einem Marmorlöwen, der sein Grab voller Traurigkeit bewacht. Neben seiner Berufung als Dichter war Rubén Darío auch Diplomat, Schriftsteller und ein hervorragender Journalist. Viele Zeitungen in Chile, Mexiko, Spanien, Argentinien und Venezuela veröffentlichten seine Artikel.

Sein erstes großes dichterisches Werk begründet seinen literarischen Erfolg: „Azul“, veröffentlicht 1888 (zweite, erweiterte Ausgabe 1890), ist ein Sammelwerk seiner Schriften. Das Buch besteht aus zwei Teilen, wobei der erste Prosa-Erzählungen und der zweite wunderschöne Gedichte umfasst. In „Prosas Profanas“ (1896) thematisiert er Sinnlichkeit und Erotik. Bei „Lieder des Lebens und der Hoffnung“ (1905) handelt es sich dagegen um eine Reihe von Gedichten, die Rubén Daríos eigene Bitterkeit, Beklemmung, Angst und politische Sorgen um die Verteidigung der spanischen Welt gegen die angelsächsische und nordamerikanische Kolonialisierung ausdrücken.

Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflusste seine literarische Arbeit insbesondere spanische und nordamerikanische Dichter sehr stark. Poeten wie Federico García Lorca und Pablo Neruda bewunderten ihn. Nicht alle seine Gedichte wurden während seiner Lebenszeit in veröffentlicht, sondern viele erst nach seinem Tod. Und hundert Jahre nach seinem Tod … lasst uns weiter Rubén lesen.

(Übersetzung Karin Uhlenhaut/Barbara Braun)

 

Das Verhängnisvolle

Selig der Baum, der kaum empfindlich ist,

und noch mehr der harte Stein, da dieser nicht mehr fühlt,

nun, es gibt keinen gewaltigeren Schmerz, als den Schmerz, am Leben zu sein,

noch eine größere Schwere als das bewusste Leben.

Zu sein und nichts zu wissen, und ohne bestimmte Richtung zu sein,

und die Angst, gewesen zu sein und einem zukünftigen Schrecken...

Und das sichere Grauen, morgen tot zu sein,

und wegen dem Leben zu leiden und wegen dem Schatten und wegen

dem, was wir nicht kennen und kaum vermuten,

und dem Fleisch, das uns mit seinen kühlen Weintrauben versucht

und das Grab, das mit seinen Trauersträußen wartet,

und nicht zu wissen, wohin wir gehen,

noch woher wir kamen...!

 

Übersetzung des Gedichtes aus:

lyricstranslate.com/de/lo-fatal-das-verh%C3%A4ngnisvolle-nachdichtung.html

Gioconda del S. Pérez Aróstegui

 

Nicaragua Verein unterstützt Niños del Fortín

Die Projekte Niños del Fortín und Chavaladas werden durch den Verein Asociación Niños del Fortín in Nicaragua vertreten.

Aus Hamburg wurden die Projekte 30 Jahre lang! durch den Verein
Helft Nicaraguas Kindern unterstützt. Dieser Verein wurde, da kein neuer Vorstand gewählt werden konnte, im Dezember 2013 aufgelöst.

In der Zwischenzeit hatte Amalia Cuadra, Mitglied der Asociación Niños del Fortín und Leiterin des Kinderprojektes Chavaladas, die Gelegenheit über einen Projektantrag mit Mitgliedern des Nicaragua Vereins Hamburg e.V. zusammen zu arbeiten und näher kennen zu lernen.

Die Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass der Verein Niños del Fortín den Nicaragua Verein zur Zusammenarbeit und Unterstützung gebeten hat.

Der Nicaragua Verein ist sehr erfreut den Kinderprojekten in Leon helfen zu können, und hofft nun auf die tatkräftige Unterstützung in Form von großzügigen Spenden der ehemaligen Mitglieder und Dauerspender des Vereins Helft Nicaraguas Kindern zur Sicherung der Finanzierung der Projekte von Asociación Niños del Fortín!

 

Bürgermeister Scholz würdigt Städtepartnerschaft mit León

25-jähriges Bestehen

Hamburg/León. Bürgermeister Olaf Scholz hat zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und dem nicaraguanischen León die enge Verbindung beider Städte gewürdigt.

Man könne gemeinsam ein "durchaus erfreuliches Resümee" ziehen, sagte Scholz bei einem Senatsfrühstück im Rathaus zu Ehren des Leóner Bürgermeisters Róger Gurdián Vigil, der derzeit in Hamburg zu Gast ist "Was als Akt der Solidarität begonnen hat, ist ein Akt der Freundschaft geworden." Am Dienstag machte der Leóner Bürgermeister gemeinsam mit Staatsrat Wolfgang Schmidt eine Hafenrundfahrt und nahm am Nachmittag an einer Veranstaltung "Freiwillige nach León" zur Motivierung von Freiwilligen für die Städtepartnerschaft im Hamburger Rathaus teil.

Quelle: 17.06.14, Hamburger Abendblatt

 

Film zum Besuch des Bürgermeisters von León in Hamburg

Amtsübernahme des neuen Bürgermeisters von León

Die zentrale Feier fand im Atrium der Kathedrale statt unter Beteiligung vieler besonderer Gäste. Die Zeremonie wurde angeführt vom Bischof der Stadt, dem Präsidenten der Nationalversammlung, der scheidenden Bürgermeisterin und dem neuen Bürgermeister sowie den bisherigen und neugewählten Stadträten.

Die Zeremonie begann mit Begrüßungsworten des Bischofs und einem Gebet. Dann hielt die scheidende Bürgermeisterin ihre Abschiedsrede. Sie resümierte die Errungenschaften zugunsten der Gemeinde während ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin. Außerdem bedankte sie sich für die Zusammenarbeit der Partnerstädte mit León. Sie legte der neuen Stadtregierung nahe, mit den fortschrittlichen Arbeiten weiterzumachen. Diese sollte noch stärkeren Wert legen auf die Verbesserung des Milieus und des Aussehens der Stadt und die Schaffung eines noch gesünderen und sauberen Ambientes. Hiermit zitierte sie wörtlich Rosario Murillo, die Erste Dame der Republik.

Im Anschluss erfolgte die offizielle Übergabe der Denkschrift der Stadt und die Anlegung der Amtsschärpe. So wurde Roger Gurdián Vigíl offiziell in sein Amt als neuer Bürgermeister der Stadt eingeführt.

In seiner Antrittsrede betonte der neue Bürgermeister die in der Amtszeit der neuen Stadtregierung zu behandelnden Themen: Müllbeseitigung, Umwelt, Wasser und Abwasser und die Modernisierung der Verfahren im Umgang mit der Bevölkerung. Außerdem dankte er der Regierungspartei für das in ihn gesetzte Vertrauen, außerdem der Bevölkerung im Allgemeinen. Der Akt endete mit einer kulturellen Darbietung und einem Feuerwerk.

29. Januar 2013