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Die Kooperationspartner der Stadt León

Auf der amtlichen Liste der Alcaldía (Bürgermeisteramt) von León steht die Städtepartnerschaft mit Hamburg an Platz 1. Historisch gesehen kommt Hamburg dieser Platz allerdings nicht zu. Sehr bald nach der Befreiung Nicaraguas von der Herrschaft der Somoza-Dynastie und dem Sieg der sandinistischen Revolution im Juli 1979 führten die Aktivitäten verschiedener Solidaritätsgruppen in Europa und auch in den USA zu den ersten offiziellen Partnerschaften mit zahlreichen größeren und kleinen Städten in Nicaragua.

Den ersten Partnerschaftsvertrag mit der Stadt León schloss bereits 1980 die schwedische Stadt Lund. Sie engagierte sich vorwiegend in Umwelt- und Erziehungsprojekten. Diese Partnerschaft besteht weiterhin, nach den Unregelmäßigkeiten im Verlauf der Kommunalwahlen 2008 allerdings ohne Einbeziehung der Alcaldía von León. Lund fördert direkt und unmittelbar das Sozialprojekt für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, Las Tías mit finanzieller Unterstützung desgleichen die Bücherei Rubén Dario.

Sehr früh ist auch die Stadt Brünn in der heutigen Slowakei eine Partnerschaft eingegangen. Diese existiert jedoch nicht mehr. Dennoch haben an der 15. Konferenz der Partnerschaften von León im Juli 2010 mehrere inoffizielle Vertreter der Stadt Brünn teilgenommen.

Auch recht früh, nämlich 1984/85 kamen die drei Partnerschaften aus USA hinzu: New Haven, Minnesota und Gettysburg. Alle drei haben örtliche Vertreter und eigene Büros in León und sind im Bereich Erziehung und in sozialen Projekten aktiv.
In der Liste der Alcaldía wird auch die Stadt Oxford aufgeführt, obwohl derzeit keine Projekte mit Oxford durchgeführt werden und es auch keinen örtlichen Vertreter gibt. Allerdings gibt es aktuell deutliche Bestrebungen zur Wiederbelebung der Partnerschaft.

In Hamburg waren es zunächst verschiedene Solidaritätsgruppen, die die ersten Kontakte zu Nicaragua und León bei Arbeitseinsätzen und Bildungsreisen knüpften. Zu diesem Zweck gründeten sie den Nicaragua Verein Hamburg und bauten über ihn Basispartnerschaften auf (zwischen Schulen, Gemeinden und weiteren Organisationen)  und ermunterten gleichzeitig den Hamburger Senat in mehreren Anläufen zur Etablierung einer offiziellen Partnerschaft. Der nicaraguanische Dichter und damalige Kulturminister Ernesto Cardenal hat bei einem seiner Vortragsbesuche als erster diesen Vorschlag öffentlich vorgetragen. Bei einem weiteren Besuch hat ihm 1983 der damalige Erste Bürgermeister Klaus von Dohnanyi dies auch zugesagt. Dennoch dauerte es weitere 6 Jahre bis Bürgermeister Henning Voscherau und der Leoner Bürgermeister Luis Felipe Pérez im Mai 1989 den Vertrag über eine „Entwicklungspartnerschaft“ zwischen beiden Stadtverwaltungen unterschrieben. In der amtlichen Liste der Leoner Alcaldía erscheinen neben der Senatskanzlei auch der Nicaragua Verein Hamburg und der Freundeskreis León-Hamburg als Träger von Entwicklungsprojekten. Neben sozialen Projekten werden auch Projekte in den Bereichen Erziehung, Umwelt und Tourismus aufgeführt. Speziell genannt wird das Projekt zur Versorgung der Leoner Bevölkerung mit Trinkwasser und der Entsorgung von Abwasser, gemeinhin als „Restcentprojekt“ bekannt. Neben den genannten gibt es weitere Hamburger Einrichtungen der Zivilgesellschaft, die in der Entwicklungszusammenarbeit in León aktiv sind. Zu ihnen gehören der Verein „Helft Nicaraguas Kindern“, die Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände (Jugendaustausch), die Hamburger Jugendfeuerwehr sowie die Mittelamerikagruppe der Hamburger GEW. Koordiniert werden deren Aktivitäten und Initiativen durch den Nicaragua Koordinationskreis, an dessen Sitzungen auch ein Vertreter des Hamburger Senats beteiligt ist.

Seit den groben Unregelmäßigkeiten und Regelverstößen bei den Kommunalwahlen in Nicaragua im November 2008 hat der Hamburger Senat die offiziellen Beziehungen zum Leoner Bürgermeister „eingefroren“ und auch der Nicaragua Verein wickelt vorerst keine Projekte über das Leoner Bürgermeisteramt ab.
Ähnlich wie im Falle Hamburgs hat im spanischen Zaragoza zunächst die Nicht-Regierungs- organisation (NRO) ECODES ihre Arbeit in León aufgenommen, lange bevor es zu einem offiziellen Vertrag zwischen den Stadtverwaltungen kam. Während ECODES überwiegend im Bereich Umwelt sowie Trink- und Abwasser arbeitet, konzentriert sich die Stadt Zaragoza auf Schulprojekte. ECODES und die Hamburger „Restcent-Aktion“ haben ihre Arbeit bei Abwasserprojekten gelegentlich auf einander abgestimmt und sich ergänzt.

Neben Zaragoza und Hamburg ist die holländische Stadt Utrecht seit 1993 ein weiterer wichtiger Pfeiler in der Entwicklungspartnerschaft der Stadt León. Utrecht wendet erhebliche Mittel auf zur städtebaulichen Entwicklung der sog. „Dichterviertel“ im Südosten von León. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der Bau von Wohnungen. So wie im Fall Zaragoza arbeitet auch eine NRO aus Utrecht, die Stiftung Lazos de Amistad (Freundschaftsbande) in León. Sie konzentriert sich auf die Arbeit in Schulen und weitere soziale Projekte.

Der vierte gewichtige Pfeiler der europäischen Partnerschaften ist die Stadt Salzburg. Sie hat sich besonders auf das Wirkungsfeld Tourismus konzentriert. Zurzeit sind die Mitarbeiter der Salzburger Vertretung dabei, einen in weitem Bogen um das Stadtgebiet von León herumführenden Reit-Parcours anzulegen mit Stationen für Verpflegung und Pferdewechsel. Außerdem plant Salzburg den Ausbau und die Umgestaltung der Leoner Tourismus-Zentrale. Im Sitz der Salzburger Vertretung, der “Casa chica“ residiert Dr. Elmer Zelaya; er wie auch sein Pendant in Salzburg, Paul Pirker sind wahre Pioniere und Veteranen der Entwicklungskooperation.

Neben den sieben aktuellen und offiziellen Städtepartnerschaften von León gibt es neben den zwei bereits genannten weitere Nicht-Regierungsorganisationen, die in der Zusammen-arbeit mit León eine bedeutende Rolle spielen. Nur die wichtigsten sollen hier genannt werden. Aus Italien kommen die NRO CESTAS mit Sitz in Bologna und der Verein MEDINA aus der Toscana. Beide haben örtliche Vertreter in León. CESTAS ist vor allem im Bereich Gesundheit und Umwelt tätig, MEDINA ist auf den Bereich Stadtplanung konzentriert.

Aus dem spanischen Baskenland kommt die NRO LEONEKIN, auch mit örtlicher Vertretung. Sie befasst sich ausschließlich mit Erziehungsprojekten. In aller Regel – und man kann sagen leider – ist es so, dass die einzelnen Städtepartnerschaften und NRO ihre Tätigkeit nur auf ihre eigenen Projekte konzentrieren. Eine übergreifende Zusammenarbeit gibt es fast nie. LEONEKIN macht hier eine Ausnahme. Zusammen mit der bereits genannten Partnerstadt New Haven und der Leoner NRO CISAS führt sie ein langfristig angelegtes Schulprojekt durch, das sie auch gemeinsam geplant haben.

Wohl irrtümlich in der Rubrik der Nicht-Regierungsorganisationen führt die Liste der Alcaldía die Junta de Andalucia auf, die Bezirksregierung von Andalusien. Sie ist besonders im Bereich der Stadtarchitektur tätig. Zurzeit arbeitet sie mit an der Neugestaltung des zentralen Platzes von Sutiaba, dem indigenen Stadtteil von León. Außerdem restauriert sie das historische Gebäude, in dem 1956 der junge Dichter Rigoberto López Péres den Diktator Anastasio Somoza erschossen hat.
Dieser Bericht führt nur solche Partner auf, die im Rahmen der Entwicklungskooperation mit der Alcaldía von León zusammenarbeiten oder gearbeitet haben. Selbstverständlich gibt es darüber hinaus überaus zahlreiche Personen und Organismen, die auf privater oder korporativer Basis zur Entwicklung der Stadt León und ihrer Bevölkerung beitragen.

Hamburg im Juli 2011

Albert Weber