Flora, Fauna und Klima

Nebelwald am Vulkan Madeira, Ometepe

In Nicaragua finden sich verschiedene Typen von Regenwald, tropischer Trockenwald, Pinienwald, savannenähnliches Grasland und ausgedehnte Mangrovensümpfe. Der tropische Regenwald an der Atlantikküste ist sehr artenreich. Auf einem Hektar sind teilweise bis zu 50 verschiedene Baumarten zu finden. Brandrodung, die Ausbeutung von Edelhölzern und der Hurrikan Juana 1988 haben jedoch das bis vor wenigen Jahren noch intakte Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht.

Heute sind nur noch 35 % der Region von tropischem Regenwald bedeckt, im vorigen Jahrhundert waren es noch über 50 %. Der Regenwald findet sich in der Bergregion ab 1.000 m Höhe und auch in den Kratern erloschener Vulkane. Der ständig feuchte Boden ist farn- und moosbedeckt, und es finden sich zahlreiche Orchideenarten. Pinienwald, wie in der nördlichen Bergregion und an der Atlantikküste, ist nirgends sonst auf der Erde so weit südlich in geschlossenen Beständen zu finden. Tropischen Trockenwald gibt es nur noch sehr wenig, er wurde durch das Anlegen von Plantagen bis in die 50er Jahre hinein verdrängt. Auf dem Leóner Markt kann man u. a. Zitrusfrüchte, Mangos, Papayas, Ananas, Guaven, Zapotes, Melonen, Tamarinde, Kokosnüsse und Avocados kaufen. Außerdem wachsen in der Gegend von León u.a. neben Obstbäumen der schnellwachsende Eukalyptus, verschiedene Palmenarten und Ficus Benjamini. Gummibäume, die wir nur als Topfpflanzen kennen, sind dort Bäume von stattlicher Größe.

In den Urwäldern Nicaraguas sind noch eine Reihe von Wildtieren beheimatet: verschiedene Affenarten, Ozelots, Waschbären, Wiesel, Füchse, Rehe, Wildschweine, vereinzelt Jaguare und Pumas. Viele exotische Vögel, darunter Tukane, Pelikane, Kolibris. Papageien und seltene Schmetterlinge, gehören ebenso zur Fauna wie Leguane, Alligatoren, Chamäleons, Riesenschlangen, Eidechsen, Riesenschuldkröten und giftige Frösche. Zu den wichtigsten Nutztieren zählen Rinder, Zebus, Schweine, Pferde, Truthähne und Hühner. In den besiedelten Teilen Nicaraguas wurde jedoch die wilde Tierwelt weitgehend durch die menschliche Zivilisation verdrängt.

León liegt in der tropischen Pazifikregion und hat zwei Jahreszeiten. Die Trockenzeit (Sommer) dauert von November bis April und die Regenzeit (Winter) von Mai bis Oktober. Es ist das ganze Jahr über 25° bis 32°C warm. Das Klima der Atlantikküste und das der Pazifikküste unterscheiden sich erheblich. Der Osten des Landes weist ein tropisch immer-feuchtes Klima auf, hingegen ist es im Südwesten des Landes tropisch wechselfeucht. Die Osthälfte des Landes erhält ganzjährige Niederschläge zwischen 2.500 und 6.000 mm pro Jahr und ist damit eine der regenreichsten Gegenden der Welt. An der dem Pazifik zugewandten Seite herrscht dagegen in den Wintermonaten Trockenheit. Die mittleren Jahresniederschläge bleiben unter 2.000 mm. In den höher gelegenen Bergregionen kann es zeitweise empfindlich kalt werden.

»Die Osterwoche in Leon ist heiß...«

Auszug aus: Omar Cabezas »Die Erde dreht sich zärtlich, Compañera«, Wuppertal 1983

»In der Osterwoche ist meine Heimatstadt eine Geisterstadt mit ein paar mittelalterlichen Verzierungen. Die Ostertage in León sind heiß. Heiß ist das Pflaster, heiß ist der Staub, heiß sind die Sitze im Auto, heiß die Parkbänke, heiß ist sogar das Wasser aus der Leitung. In dieser Stadt ist an Ostern alles heiß. Sogar die Haare auf dem Kopf sind heiß, heiß die Ideen. Du musst Dir das klarmachen, dass es in León an Ostern heiß ist. Weißt Du, es ist so heiß, dass fast keine Autos mehr auf der Straße sind. In der Innenstadt ist niemand, denn alle Leute fahren ans Meer, das heißt, die Bourgeoisie, die in der Innenstadt wohnt, wo die Straßen befestigt sind; da wohnen die Reichen, im Stadtzentrum. Wie heiß es ist, kannst Du an den Hunden sehen, die ganz am inneren Rand des Bürgersteiges laufen, genau da, wo auch die Leute gehen, denn da fällt noch ein bisschen Schatten hin, aber der Schatten ist auch heiß. Man sieht viele Hunde mit glasigen Augen und Schaum vor dem Maul herumlaufen, Hunde, die Tollwut haben. Sie laufen auf der Straße, weil die Leute sie wegjagen, wenn sie auf dem Bürgersteig sind.

Die Hunde laufen ziellos herum, rennen irgendwo hin und sehen weder nach rechts noch nach links, ich glaube, es ist ihnen zu heiß, um sich umzudrehen und nach den Seiten zu gucken, was weiß ich, wo sie schließlich landen, wenn sie durch die ganze Stadt gelaufen sind, diese tollwütigen Hunde. So heiß ist es in León. Alles war zu. Die Läden, sogar die Häuser. Das einzige, was auf hatte, war Prío an der Ecke vom Platz an der Kathedrale: ein Haus im Kolonialstil mit zweiflügeliger Ecktür, die immer sperrangelweit aufstand. Wenn ein bisschen Wind ging, wurde es durch die Bäume auf dem Platz etwas frischer, und die Luft war weniger heiß. (Ich möchte den, der diese Scheiße hier liest, davon überzeugen, dass es in León heiß ist, dass es keine Erfindung von mir ist – dass es heiß ist.)«

(Aus der Broschüre »León – Hamburgs Partnerstadt in Nicaragua«; Autorinnen: Ulrike Hanemann, Doris Henning, Sibille Lutz. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1996)