Nicaragua – Neue Generation – Neue Perspektiven

Einladung zur Diskussion mit Dr. Ernesto Medina, Berater der Oppositionsbewegung: Dienstag, 4. Juni 2019, 19:00 Uhr, Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20, Eintritt frei.

Welche Perspektiven gibt es für Nicaragua? Insbesondere die junge Generation ist auf der Suche nach neuen politischen und sozialen Visionen für das aktuell in diktatorische Verhältnisse zurückgefallene, mittelamerikanische Land. Einige aus dieser Generation haben hier in Hamburg Zuflucht gesucht, weil sie in ihrem Heimatland um ihr Leben fürchten müssen, weil Hamburg zentrales Aufnahmeland der Bundesrepublik ist und weil Hamburg eine 30-jährige Städtepartnerschaft mit León, der zweitgrößten Stadt Nicaraguas, verbindet.

Dr. Ernesto Medina (65) kennt sowohl Ortega gut als auch die studentische Protestbewegung, die neben den Bauernvertreter*innen zu den ersten gehörte, die ihren Protest an der Regierung Ortega äußerte. Dr. Medina war von 2007 bis 2018 Rektor der UAM, der Amerika-Universität in Managua. Im April 2018 nach den Demonstrationen gegen eine missglückte Reform der Sozialversicherung mit den ersten Toten denn das Regime ließ mit scharfer Munition auf die Demonstrierenden schießen, schrieb Dr. Medina einen Brief an den Präsidenten Ortega, indem er ihn aufforderte, die Gewalt seitens der Polizei und Paramilitärs zu stoppen. Er stellte sich unmissverständlich auf die Seite des friedlichen Studentenprotests.

Eine Antwort auf den Brief blieb Ortega ihm schuldig, aber die Reaktion erfolgte dennoch: Als es im Mai 2018 zum ersten Mal zu einem Dialog zwischen Zivilgesellschaft und der Regierung kam, weigerte Ortega sich, Dr. Medina als Mitglied der Verhandlungsrunde zu akzeptieren. Lediglich in der Rolle als Berater der Delegation der „Zivilen Allianz für Gerechtigkeit und Demokratie“ (ACJD) wurde er geduldet. Der erste Dialog dauerte nur knapp einen Monat und wurde von Ortega beendet. Danach begannen die schlimmsten Wellen der Repression, die in dem Verbot der Versammlungsfreiheit und der massiven Einschränkung der Pressefreiheit mündeten.

Für Dr. Ernesto Medina gab es damals und gibt es heute keine Alternative zu Verhandlungen, um weiteres Blutvergießen oder gar einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Aus diesem Grund berät er aktuell die „Zivile Allianz“ in der zweiten Runde des Dialogs, der Ende Februar 2019 begann und trotz Unterbrechungen und Rückschlägen noch nicht aufgegeben wurde. Die Ermordung des politischen Gefangenen Eddy Montez Praslin führte zu bislang größten Krise in der 2. Dialogrunde. Wie der Stand der Bemühungen um Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit aussieht, will Dr. Medina den interessierten Bürger*innen Hamburgs transparent machen.

Als Rektor der Universität UNAN León (1994-2006) und langjähriges Mitglied des Rates zur strategischen Städteplanung von León hat Dr. Medina auch in der Städtepartnerschaft mit Hamburg eine wichtige Rolle gespielt. Er war Präsident des Gremiums in León, das eine Vorauswahl der von der Hamburger Senatskanzlei unterstützten Projekte traf. Darüber hinaus ist er Deutschland, das ihm das Bundesverdienstkreuz verlieh, durch seine Studien- und Promotionszeit in Göttingen eng verbunden, zudem spricht Dr. Medina deutsch.

Finanziell unterstützt wird die Veranstaltung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von NICADE.

Moderation: Matthias Schindler.

Dr. Ernesto Medina im Mai 2018. Foto: Oscar Navarrete/ LA PRENSA.